Vergangenen Mittwoch fand im Abgeordnetenhaus des Deutschen Bundestages, dem Paul-Löbe-Haus, ein Denk-Wettkampf zwischen Hauptschülerinnen und Hauptschülern aus Bad Malente und Abgeordneten des Deutschen Bundestages statt.
Ziel dieses Wettstreites mit dem Computer-Strategie-Spiel "Ecopolicy" war es, einer breiten Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass Hauptschülerinnen und Hauptschüler mehr können, als ihnen vielfach zugetraut wird: "Gerade in Zeiten von PISA gilt es, jeden Einzelnen nach ihren individuellen Leistungsfähigkeiten und der persönlichen Anstrengungsbereitschaft zu beurteilen - und nicht vorzuverurteilen", erklärte Klassenlehrer Hans-Werner Hansen. Es meldeten sich Abgeordnete aller Fraktionen aus verschiedenen Regionen Deutschlands, um sich mit den Schülerinnen und Schülern zu messen und ihre Sache zu unterstützen: Grietje Bettin, B90/Grüne, Lothar Binding, SPD, Vera Dominke, CDU, Ute Flach, FDP, Bettina Hagedorn, SPD,Jürgen Koppelin, FDP, Dr. Reinhard Loske, B90/Grüne, Petra Merkel, SPD, Cornelia Pieper, Generalsekretärin der FDP, Dr. Ernst-Dieter Rossmann, SPD, Dr. Ole Schröder, CDU, Swen Schulz, SPD und Jörg Tauss, SPD.
Die Teams versuchten sich in der komplexen Simulation "ecopolicy" (von Prof. Frederick Vester) im vernetzten Denken und mussten einen Staat möglichst nachhaltig und erfolgreich führen. Dies gelang den Hauptschülern wie schon gegen die Teams von Kreis- und Landestag deutlich besser. Während die Bundestagsabgeordneten beim Regieren eines Industrielands noch einigermaßen mithalten konnten, gingen sie beim Regieren eines Schwellenlands, der deutlich schwierigeren Stufe, hoffnungslos unter. Staatsstreich nach drei Jahren quittierte der Computer die miserablen Bemühungen der Abgeordneten. Natascha Peters (18) weiß aus früheren Begegnungen gegen Politiker: "Politiker denken zu kurzfristig. Sie investieren viel in Lebensqualität und vernachlässigen die langfristigen Investitionen." Bei "Ecopolicy" geht es wie in der richtigen Politik um verschiedene Lebensbereiche wie Finanzen, Bildung, Umwelt oder Industrie, die der Spieler alle gleichzeitig im Auge behalten muss. Wer das vernetzte Denken nicht ausreichend beherrscht, wird vom Wähler abgestraft, notfalls auch mit einem Aufstand.
Das "Ecopolicy"-Fieber geht indessen weiter: Im Februar startet ein landesweiter Wettbewerb im virtuellen Regieren. Das Endspiel soll im Kieler Landtag ausgetragen werden. Klassenlehrer Wilfried John kündigte an, dass alle Schulen, ob Hauptschule oder Gymnasium, demnächst zu einer Eröffnungsveranstaltung in Eutin eingeladen werden. Unterstützt wird dieses Projekt vom "Bund Jugend", dem schleswig-holsteinischen Landtag und der Sparkasse.
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