futura-baltica

Futura-Baltica

Medien: LN / von Wolfgang Cassel

Malenter Au bildet wieder wie früher einen See


PARADIES FÜR WASSERTIERE

Foto: Wolfgang Cassel

Stille Schönheit und wahres Naturkleinod in der Endmoränenlandschaft der Holsteinischen Schweiz: der nördlich des Dorfes Neversfelde bei Malente-Gremsmühlen geschaffene Flachwassersee.

Malente-Neversfelde

Da freuen sich nicht nur die Frösche:

In der von den Gletschern der Weichsel-Eiszeit vor 15 000 Jahren geformten Hügellandschaft bei Neversfelde in der Gemeinde Malente ist ein Biotop von unschätzbarem Wert entstanden - ein neuer See.

Kaum jemand weiß ganz gewiss, wie viele Seen es in der Holsteinischen Schweiz gibt. Sicher aber ist, dass die Gemeinde Malente zu den wasserreichsten Kommunen in dieser Bilderbuch­landschaft gehört. Jetzt ist sie um ein Gewässer reicher: einen klei­nen, sieben Hektar umfassenden und nahezu kreisrunden See, der für Freunde ästhetischer An- und Ausblicke ein Sehnsuchtsziel dar­stellen dürfte.

Eine Augenweide ist der von Menschenhand geschaffene neue Flachwassersee mit einer ma­ximalen Tiefe von 1,20 Meter vor allem deshalb, weil er in der Niede­rung einer Endmoränenlandschaft von außergewöhnlicher Schönheit liegt. Sie gilt in dieser Form als geo­logische Rarität und ist geprägt vom mächtigen Sieversdorfer Wald sowie von Wiesen, Äckern und Knicks. Das Ufer des als Am-phibienlaichgewässer angelegten1 Sees zieren Eichen, Schwarzerlen, Eschen, Hasel, Holunder sowie Weiß- und Schwarzdorn. Das Auge des Betrachters erfreuen zudem drei kleine Inseln im stillen Wasser. Majestätischer Blickfang auf einem dieser Eilande ist eine stattliche ungefähr 180 Jahre alte Eiche.

Der nördlich von Neversfelde nahe der nach Grebin führen­den Landesstraße in den jüngsten Monaten entstandene See ist ge­nau genommen ein Lebensraum aus zweiter Hand. Denn einen See hat es in grauer Vorzeit dort schon einmal gegeben. Er war - wie Hun­derte von anderen von der Natur geschaffenen Gewässern hier zu Lande - im Laufe der Zeit nach und nach trocken gelegt worden, um mehr Wiesenflächen zu schaf­fen und so die Landwirtschaft in Zeiten der Not voranzutreiben.

Angesichts der heutigen land­wirtschaftlichen Überproduk­tion und der Erkenntnis, dass sich ehemalige Feuchtgebiete nur schlecht bewirtschaften lassen, nutzten die Akteure des vor gut zwölf Jahren auf Initiative von Gerd Schumacher aus Radland-sichten gestarteten Natur- und Landschaftsschutzprojektes „Ma-lenter Au" die Chance zur Wieder­belebung des Sees. Laut Schuma­cher ist die Wiedergeburt des Ge­wässers das „Ergebnis einer mus­tergültigen Zusammenarbeit". Eh­renamtlich für den Natur- und Landschaftsschutz tätige Land- wirte und andere private Grundei­gentümer hätten gemeinsam mit der Naturschutzbehörde des Krei­ses Ostholstein sowie dem Wasser-und Bodenverband Schwentine ein weiteres Refugium für Flora und Fauna im Projektgebiet „Ma-lenter Au", das inzwischen auf über 700 Hektar ausgedehnt wor­den ist, geschaffen.

Und für Flora und Fauna sowie für den Erhalt eines gesunden Wasserhaushalts in der Natur ist die mit Hilfe einer kleinen Stauan­lage ermöglichte Wiedervernäs-sung der seit alters her Teichwie­sen genannten Neversf eider Niede­rung auch in erster Linie bestimmt. Erste Erfolge sind schon in man­cherlei Hinsicht zu verbuchen. So fühlen sich dort, wo noch vor eini­ger Zeit Rinder weideten und Heu geerntet wurde, bereits Graugänse, Tafel-, Reiher- und Stockenten, Höckerschwäne sowie mehrere Taucherarten wohl. Der See ist zu­dem Jagdrevier des Seeadlers, der seit zwei Jahren im Projektgebiet brütet. Auch zwei andere seltene Spezies lassen sich dort blicken: Kranich und Wiesenweihe. Für die Vogelwelt scheint der See also kein Geheimtipp mehr zu sein. Und wahrscheinlich auch nicht für Frö­sche und andere Amphibien. Die Akteure des Projektes zeigen sich deshalb zu Recht optimistisch, dass die Artenvielfalt in den kom­menden Jahren noch erheblich zu­nehmen wird. Der neue Flachwas­sersee ist auch Teil eines umfassen- den Gewässer-Verbundsystems, das langfristig zwischen Lübeck und Kiel unter anderem mit dem Ziel verwirklicht werden soll, neue Lebensräume für seltene Arten wie etwa den Fischotter zu erschließen.

Um der Natur Gelegenheit zu geben, sich ungestört zu ent­wickeln, wird kein unmittelbar an das Ufer des Sees führender Wan­derweg angelegt. Naturfreunde können jedoch den 1999 von der Dorfschaft Neversfelde geschaffe­nen Serpentinenpfad nutzen. Von dort aus bieten sich ihnen fantasti­sche Ausblicke auf die Gewässer­idylle und die reizvolle hügelige Umgebung. Naturszenerien wie diese gibt es nicht überall in der Hol­steinischen Schweiz zu bewundern.

Foto: Wolfgang Cassel Foto: Wolfgang Cassel

Biotop von unschätzbarem Wert:

Einst speiste die Malenter Au einen natürlichen See bei Neversfelde, er wurde für die Landwirtschaft trocken gelegt.
Jetzt hat man ihn im Rahmen der Renaturierung wieder hergestellt. Das überschüssige Wasser fließt über einen naturnah gestalteten, mäandrierenden Bach (rechtes Foto) in Richtung der Malenter Au.

Fotos: Wolfgang Cassel

LN LN, 27. März 2005

... zurück Medienzurück
... zurück Naturzurück
... zurück Startseitezurück