Da freuen sich nicht nur die Frösche:
In
der von den Gletschern der Weichsel-Eiszeit
vor 15 000 Jahren geformten Hügellandschaft
bei Neversfelde in der Gemeinde Malente
ist ein Biotop von unschätzbarem
Wert entstanden - ein neuer See.
Kaum jemand weiß ganz gewiss, wie viele Seen es in der Holsteinischen Schweiz gibt. Sicher aber ist, dass die Gemeinde Malente zu den wasserreichsten Kommunen in dieser Bilderbuchlandschaft gehört. Jetzt ist sie um ein Gewässer reicher: einen kleinen, sieben Hektar umfassenden und nahezu kreisrunden See, der für Freunde ästhetischer An- und Ausblicke ein Sehnsuchtsziel darstellen dürfte.
Eine Augenweide ist der von Menschenhand geschaffene neue Flachwassersee mit einer maximalen Tiefe von 1,20 Meter vor allem deshalb, weil er in der Niederung einer Endmoränenlandschaft von außergewöhnlicher Schönheit liegt. Sie gilt in dieser Form als geologische Rarität und ist geprägt vom mächtigen Sieversdorfer Wald sowie von Wiesen, Äckern und Knicks. Das Ufer des als Am-phibienlaichgewässer angelegten1 Sees zieren Eichen, Schwarzerlen, Eschen, Hasel, Holunder sowie Weiß- und Schwarzdorn. Das Auge des Betrachters erfreuen zudem drei kleine Inseln im stillen Wasser. Majestätischer Blickfang auf einem dieser Eilande ist
eine stattliche ungefähr 180 Jahre alte Eiche.
Der nördlich von Neversfelde nahe der nach Grebin führenden Landesstraße in den jüngsten Monaten entstandene See ist genau genommen ein Lebensraum aus zweiter Hand. Denn einen See hat es in grauer Vorzeit dort schon einmal gegeben. Er war - wie Hunderte von anderen von der Natur geschaffenen Gewässern hier zu Lande - im Laufe der Zeit nach und nach trocken gelegt worden, um mehr Wiesenflächen zu schaffen und so die Landwirtschaft in Zeiten der Not voranzutreiben.
Angesichts der heutigen landwirtschaftlichen Überproduktion und der Erkenntnis, dass sich ehemalige Feuchtgebiete nur schlecht bewirtschaften lassen, nutzten die Akteure des vor gut zwölf Jahren auf Initiative von Gerd Schumacher aus Radland-sichten gestarteten Natur- und Landschaftsschutzprojektes „Ma-lenter Au" die Chance zur Wiederbelebung des Sees. Laut Schumacher ist die Wiedergeburt des Gewässers das „Ergebnis einer mustergültigen Zusammenarbeit". Ehrenamtlich für den Natur- und Landschaftsschutz tätige Land-
wirte und andere private Grundeigentümer hätten gemeinsam mit der Naturschutzbehörde des Kreises Ostholstein sowie dem Wasser-und Bodenverband Schwentine ein weiteres Refugium für Flora und Fauna im Projektgebiet „Ma-lenter Au", das inzwischen auf über 700 Hektar ausgedehnt worden ist, geschaffen.
Und für Flora und Fauna sowie für den Erhalt eines gesunden Wasserhaushalts in der Natur ist die mit Hilfe einer kleinen Stauanlage ermöglichte Wiedervernäs-sung der seit alters her Teichwiesen genannten Neversf eider Niederung auch in erster Linie bestimmt. Erste Erfolge sind schon in mancherlei Hinsicht zu verbuchen. So
fühlen sich dort, wo noch vor einiger Zeit Rinder weideten und Heu geerntet wurde, bereits Graugänse, Tafel-, Reiher- und Stockenten, Höckerschwäne sowie mehrere Taucherarten wohl. Der See ist zudem Jagdrevier des Seeadlers, der seit zwei Jahren im Projektgebiet brütet. Auch zwei andere seltene Spezies lassen sich dort blicken: Kranich und Wiesenweihe. Für die Vogelwelt scheint der See also kein Geheimtipp mehr zu sein. Und wahrscheinlich auch nicht für Frösche und andere Amphibien. Die Akteure des Projektes zeigen sich deshalb zu Recht optimistisch, dass die Artenvielfalt in den kommenden Jahren noch erheblich zunehmen wird. Der neue Flachwassersee ist auch Teil eines umfassen-
den Gewässer-Verbundsystems, das langfristig zwischen Lübeck und Kiel unter anderem mit dem Ziel verwirklicht werden soll, neue Lebensräume für seltene Arten wie etwa den Fischotter zu erschließen.
Um der Natur Gelegenheit zu geben, sich ungestört zu entwickeln, wird kein unmittelbar an das Ufer des Sees führender Wanderweg angelegt. Naturfreunde können jedoch den 1999 von der Dorfschaft Neversfelde geschaffenen Serpentinenpfad nutzen. Von dort aus bieten sich ihnen fantastische Ausblicke auf die Gewässeridylle und die reizvolle hügelige Umgebung. Naturszenerien wie diese gibt es nicht überall in der Holsteinischen Schweiz zu bewundern.
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