Der Außenminister will Gegnern einer Brücke über den Belt keine falschen Hoffnungen machen
Einen Rückschlag in ihrem Kampf mussten die Gegner einer festen Belt-Querung zwischen Fehmarn und Dänemark hinnehmen. Denn auch die Grünen haben offenbar trotz zahlreicher Bedenken keine Hoffnungen, das Mammutprojekt eines Brücken- oder Tunnelbaus stoppen zu können: "So etwas wird sich nicht verhindern lassen", sagte Außenminister Joschka Fischer während des Bundesparteitags der Grünen in Bremen zu ihm in einem persönlichen Gespräch, berichtete der Sprecher des Grünen-Kreisverbandes aus Fehmarn, Jürgen Boos. Dabei hatte die – noch amtierende – Parteivorsitzende Claudia Roth im August dieses Jahres festgestellt, dass "nichts für eine solche Querung spricht".
Boos opponierte während des Parteitags als Mitglied und inoffizieller Sprecher des Aktionsbündnisses vehement gegen eine feste Fehmarnbeltquerung. Fehmarn, als eine vom Tourismus lebende Region, könne dieses Projekt wirtschaftlich und strukturell kaum verkraften. Von den 2400 touristischen Arbeitsplätzen seien laut einer Prognose des Grünen Kreisverbandes 25 bis 30 Prozent in Gefahr. "Nicht nur Langzeittouristen sondern auch kurzentschlossene Urlauber werden der Insel fernbleiben", warnte Boos. Als Gründe hierfür nannte er einen Wegfall des Fährverkehrs als touristische Attraktion, den zu erwartenden fast zehnjährigen Baulärm und eine Zerstörung von Natur und Umwelt.
Es sei damit zu rechnen, dass Fehmarn als Vogelschutzkorridor durch den Brückenbau stark beeinträchtigt werde. Ferner werde das Bauvorhaben zu einer Aufwühlung des Meeresbodens führen, womit wichtige Nahrungsquellen für die Tierwelt verloren gingen. Auch aus verkehrspolitischer Sicht hält Boos die feste Querung für undurchdacht: Erstens werde der Inselverkehr bis jetzt problemlos ohne eine transeuropäische Verkehrsstrecke abgewickelt. Zweitens teile sich der Verkehr Richtung Skandinavien optimal über die Fährlinien aus Kiel, Lübeck, Rostock und Warnemünde.
Die fatalistische Äußerung Fischers ist für Boos und das Aktionsbündnis kein Grund zur Aufgabe. Insbesondere ein Beschluss vom Magdeburger Parteitag aus dem Jahre 1997 stimme ihn zuversichtlich, sagte Boos. Dort hätten Bündnis 90/Die Grünen beschlossen, den Bau einer Fehmarnbeltquerung abzulehnen.