Die Arbeit des Vereins für Ökosystemschutz und -Nutzung, "Wasser Otter Mensch" – kurz WOM – trägt Früchte.
Ein rege von Fischottern genutzter Tunnel zwischen Heidensee und Suhrer See in der Gemeinde Bösdorf trägt ebenso dazu bei, wie der Abschluss eines Monitorings durch den Biologen Steffen Behl nach internationalem Standard, sagte die Vorsitzende Hanna Kirschnick-Schmidt kürzlich auf der Jahresversammlung des Vereins in Eutin. Die Fischotter seien in Schleswig-Holstein heimisch geworden.
"Im neuen Ottertunnel ist täglich Bewegung", freute sich auch Claus-Henrick Estorff, stellvertretender WOM-Vorsitzender. Es sei am Tunnel durch den Fund von viel Losung der Nachweis von Ottern erbracht worden. Es gebe sogar schon einen Pass aus dem Wasser des Heidensees heraus direkt in den Tunneleingang. Doch nicht nur Otter benutzten den Tunnel – auch Fuchs und Dachs querten durch ihn gefahrlos die B 76, wo an dieser Stelle vor Existenz des Tunnels bereits zwei Fischotter im Straßenverkehr getötet wurden.
Heftige Kritik übte Estorff gemeinsam mit Vorstandsmitglied Sabine Schwarten an Umweltminister Klaus
Müller (Bündnis 90/Die Grünen). Das Umweltministerium habe unter anderem auch das
Tauchen im Vierersee tagsüber und nachts mit Licht erlaubt. "Damit konterkariert Klaus Müller den Otterschutz", sagte Estorff und wunderte sich darüber, dass selbst das Landesamt für Natur und Umwelt in Flintbek das Tauchen im Vierersee erlaubt habe ohne den Verein Wasser Otter Mensch zu befragen. In einem geharnischten Schreiben an Umweltminis-ter Müller wollen die Otterfreunde nun ihrem Unmut über die Genehmigung des Tauchens Luft machen.
Der Biologe und Fischotterspezialist Steffen Behl stellte den Mitgliedern sein Monitoring vor. Danach wurden zwischen Lauenburg und Kiel rund 4000 Quadratkilometer "unter die Lupe genommen". Das Ergebnis: Die Fischotter sind in Schleswig-Holsteins Osten heimisch geworden. Vorkommen wurden von Behl wissenschaftlich in der Elbe, im Elbe-Lübeck-Kanal bis Berkenthin und sogar auf dem Zeltplatz in Güstrow nachgewiesen. Heimisch sind Otter traditionell am Schaalsee,
der Wakenitz und im Lübecker Trave-Stadtgebiet.
Neue Funde beweisen, dass Fischotter erstmalig die Schwartau bis zum Barkauer See aufgesucht haben. Weitere Vorkommen gibt es im Wardersee, Bad Segeberg und bis nach Bad Oldesloe. Natürlich ist die Holsteinische Seenplatte ein Eldorado für Fischotter. Steffen Behl verkündete aber auch eine schlechte Nachricht: Im Bereich der Schwentine nordwestlich vom Großen Plöner See ist diesmal kein Fischotter nachgewiesen worden. Allerdings habe das nichts zu bedeuten, seien Fischotter doch sehr wanderfreudig. Sie legten in einer Nacht bis zu 40 Kilometer zurück und stehen in manchen Revieren unter einem hohem Populationsdruck.
So fassten die Mitglieder den Beschluss, dass das Projektgebiet zur Wiederbesiedlung Schleswig-Holsteins durch den Fischotter auf den Bereich zwischen Kiel und Eckernförde erweitert werden soll. In die Arbeit könnten dortige Wasser- und Bodenverbände aber auch Naturschutzverbände wie die Angler oder die Wasser- und Schifffahrtsdirektion für den Nord-Ostsee-Kanal eingebunden werden. Außerdem wurde der Landesnaturschutzverband aufgefordert, nach einem Otterworkshop im Oktober des vergangenen Jahres endlich eine angekündigte Resolution zu verfassen. "Es geht um den Einbau von Querungshilfen für Fischotter bei geplanten Straßenbaumaßnahmen", erläuterte Hanna Kirschnick-Schmidt.
Ein Newsletter wird bald als neues Kommunikationsmittel des Vereins Wasser Otter Mensch installiert. Hier erhalten Mitglieder und die interessierte Öffentlichkeit neueste Informationen in Sachen Fischotter in Schleswig-Holstein. Ebenso wollen sich Mitglieder dafür einsetzen, dass die Frage nach Fischotter-Vorkommen in die Hegepläne eingearbeitet wird, damit auch die Eigentümer oder Pächter von Gewässern entsprechende Angaben machen können.